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Das HASAG-Lager in Flößberg |
Das HASAG-Lager in Flößberg
Gründung des Lagers
Anders als in Colditz konnte die HASAG in Flößberg nicht auf vorhandene Werkanlagen zurückgreifen. Dennoch nutzte sie alles, was vorhanden, um auf schnellstem Weg hier einen Produktionsstandort entstehen zu lassen. So musste Anfang des Jahres 1945 der zuständige Förster feststellen, dass eine Baracke, die für Waldarbeiter bestimmt war, von der HASAG in Beschlag genommenworden war. Ähnlich erging es den Eigentümern des Feldes am Rande des "Großen Fürstenholzes", auf denen das Häftlingslager errichtet wurde. Sie hatten keine Wahl, mussten ihr Land zur Verfügung stellen.
Die Bautätigkeit, die einsetzte, war offensichtlich sehr hektisch, aber das Lager und die Werkanlagen blieben immer Fremdkörper für das Dorf, auch wenn teilweise Ausflugziel der Einheimischen war.
Bevor in Flößberg KZ-Häftlinge zum Einsatz kamen, waren wahrscheinlich schon viele fremde Arbeiter im Einsatz.Dabei waren wohl auch Ausländer, die in den umliegenden Gasthöfen untergebracht waren.
Die Bauarbeiten, die durchgeführt wurden, bestanden in der Errichtung eines umzäunten Barackenlagers, der Rodung von Flächen im Wald und der Verlegung von Eisenbahngleisen. Außerdem wurden noch Erdarbeiten zur Errichtung von Abfüllanlagen und die Aufstellung von Produktionsbaracken durchgeführt.
Zwar war nicht unbedingt die Rede davon, dass KZ-Häftlinge hierher kommen sollten, aber beim Bau des Barackenlagers war davon die Rede, dass diese für "2000 Juden" bestimmt sind.
Die Beschlagnahmen des Geländes fanden Ende November 1944 statt. Der Einsatz von KZ-Häftlingen begann fast einen Monat später, am 29. Dezember 1944.
Häftlingstransporte
Die erste Transportliste aus Buchenwald für Flößberg ist auch den 28. Dezember 1944 datiert. Diese 150 Häftlinge müssen am Folgetag in Flößberg eingetroffen sein, denn durch die Arbeitsstatistik wurden noch für das Jahr 1944 für Flößberg eine entsprechende Anzahl Arbeitstage bzw. Arbeitsstunden abgegerechnet.
Der zweite Häftlingstransport aus Buchenwald ist auf den 8. Januar 1945 datiert und hatte ebenfalls eine Stärke von 150 Häftlingen. Am 24. Januar wurden weitere 170 Häftlinge vom Stammwerk der HASAG in Leipzig nach Flößberg geschickt während der erste Invalidentransport mit ursprünglich 58 Häftlingen von Flößberg nach Buchenwald zurückgeschickt wurde.
Am 2. Februar 1945 wurden weitere 400 Häftlinge nach Flößberg geschickt. Ein Transport aus Schlieben vom 6. Februar, dem nur 15 Häftlinge angehörten, erreichte laut Buchenwaldstatistik erst am 12. Februar das Lager.
Am 7. Februar wurden wiederum 56 Invaliden von Flößberg nach Buchenwald gebracht.
Die nächste große Veränderung fand am 17. Februar 1945 statt. 231 Häftlinge aus Flößberg wurden wegen Arbeitsunfähigkeit ins Stammlager zurückgeschickt. Ebenfalls auf diesen Tag datiert ist der Transport von 540 Häftlingen aus dem Schliebener Werk, die aber erst am 24. Februar in der Flößberger Statistik auftauchen.
Am 27. Februar 1945 entsandte das Stammlager noch einmal 350 Häftlinge nach Flößberg und am 2. März 230 Häftlinge zurückgeschickt.
Damit waren insgesamt 1902 Häftlinge nach Flößberg geschickt worden, von denen 575 wieder nach Buchenwald zurückgeschickt wurden. In Buchenwald wurde aber nur die Rückkehr von 572 Häftlingen registriert. Beim ersten Rücktransport waren drei Häftlinge gestorben, die nicht mehr in dieser Statistik auftauchten.
Das Schicksal dieser zurückgeschickten Häftlinge verlief sehr unterschiedlich: In 226 Fällen wurde der Tod im LAger Buchenwald festgestellt. Andere Häftlinge erholten sich offenbar wieder und wurden zu anderen Arbeitseinsätzen geschickt. Bekannt sind bisher die Kommandos S III und Altenburg: Einige Häftlinge kamen auch in andere Lager, wie nach Natzweiler.
Todesfälle im Lager
Das HASAG-Lager in Flößberg war im Grund eine Baustelle, auf der ein neues Werk errichtet werden sollte. Das Häftlingeslager war auf einem Feld an der Straße von Flößberg nach Beucha errichtet. Um das eigentlich Werk zu errichten, musste der angrenzende Wald zumindest teilweise gerodet werden und es mussten Gleise verlegt werden. Diese Arbeiten bedeuteten Schwerstarbeit, aber das LAger galt als "Judenkommando". Und selbst im KZ-System waren die Juden "das Letzte". entsprechend waren die Bedingungen im Lager. Ohne irgendwelche Versorgung mit Wasser, keine Kläranlagen, dazu Hungerrationen - Überlebende berichteten, dass Flößberg das schlimmste Lager war, was sie erlebten. Es dauerte auch nicht lange, bis es zum ersten Todesfall kam. Am 10. Januar 1945 starb der erste Häftling. Die letzten Meldungen über Todesfälle in Flößberg wurden in Buchenwald am 4. April 1945 verzeichnet. Bis dahin hatte man 192 Namen registriert. Das bedeutet aber nicht, dass damit alle Toten, die der Arbeitseinsatz in Flößberg gefordert hatte, tatsächlich erfasst waren. Der letzte gemeldete Todesfall ereignete sich am 27. März 1945 gegen 5.00 Uhr. Bis zur Evakuierung waren es ab diesem Zeitpunkt noch mindestens 16 Tage. Wie viele Häftlinge in dieser Zeit noch verstarben ist nicht bekannt.
Die Toten des Lagers wurden zuerst nach Leipzig gebracht, wo sie auf dem Südfriedhof verbrannt wurden. Die Urnen wurden nach Buchenwald überstellt. Ab ende Januar wurden dann die Leichen der Häftlinge nach Buchenwald geschafft. Die Umstände dieser Transporte sind bisher nicht geklärt, auch nicht, wann der letzte stattfand. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sind im 72 Fällen die Toten nach Buchenwald gebracht worden. Diese Zahl ergibt sich aus den Todesmeldungen.
In 136 Fällen kann davon ausgegangen werden, dass die Leichen im Flößberg geblieben sind. Das ergibt sich aus den heute bekannten Zahlen über die Beerdigungsstätten dieser Opfer. Danach sind in einem Ehrenhain in Borna 98 und im Waldfriedhof in Flößberg 38 Opfer begraben.
Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Opfer, die unmittelbar in Flößberg zu Tode kamen, mindestens 235 beträgt. In 17 namentlich bekannten Fällen ist nicht klar, ob die Opfer nach Buchenwald kamen oder in Flößberg blieben. www.floessberg-gedenkt.de
Zu einigen Todesursachen
Zu den gemeldeten Todesfällen wurden im Stammlager Buchenwald vom Lagerarzt Listen geführt, die unter anderem auch Angaben zur Todesursache enthielten. Auch hier gab es, ähnlich wie in anderen Bereichen einige eigene "Lagersprache", wie ja generell das massenhafte Töten in der Zeit des Nationalsozialismus mit einer umschreibenden Sprache verharmlost wurde.
Gerade in die Baukommandos, zu denen man Flößberg zählen kann, wurde die "Vernichtung durch Arbeit" exemplarisch umgesetzt: Schwerste Arbeit bei unzureichender Versorgung - auf diesem Weg starben die Arbeitskräfte irgendwann sowieso. Dazu gehörte auch, die se Sklaven psychisch zu brechen, was in Flößberg wohl oft gelang. In manchen Fällen wurde dann auch offen Selbstmord als Todesursache angegeben, wie z. B. am 23. Februar 1945, als sich ein Häftling vor einen Zug warf.
Es gab auch eine Anzahl Fälle, in denen Häftlinge, meist durch Erschießen, getötet wurden. Das waren jene Fälle, in denen Herz bzw. Kreislauf oder beides „akut“ versagten. In Flößberg diagnostizierte man 32 mal ein solches Versagen. Andere Todesursachen, wie z. B. Gehirnerschütterung, lassen auf massive Gewalteinwirkung schließen. Nicht zum Lager gehörende Augenzeugen berichteten, dass in einigen Fällen die Häftlinge zu Tode geprügelt wurden.
Für diese Art der Verschleierung war auch der Lagerarzt von Flößberg verantwortlich, ein damals in Colditz ansässiger Arzt, der auch für die Zwangsarbeiter in der Steingutfabrik Colditz und die Häftlinge im Außenlager der Hasag in Colditz zuständig war.
Und auch die Häftlinge, die ins Stammlager zurückgeschickt wurden, starben keineswegs immer einen natürlichen Tod - der ja in Hinsicht auf sein Zustandekommen auf die unmenschlichen Bedingungen zurückzuführen war -, sondern wurden gerade im Februar und März 1945 regelrecht hingerichtet. Dies wird schon deutlich, wenn man sich den Ablauf des Sterbens ansieht, wie z. B. am 27. Februar 1945, als zwischen 8.00 und 13.00 Uhr allein 20 aus Flößberg nach Buchenwald zurückgeschickte Häftlinge starben. Es waren dies Tötungsaktionen, an denen auch Funktionshäftlinge beteiligt waren, die auf diese Weise für Platz in den Baracken sorgten, in denen die Kranken untergebracht waren. Doch letztlich lag die Hauptverantwortung dafür bei der SS, die dieses Lagersystem aufgebaut hatte.
Das Ende des Lagers
Nach Angaben eines im Lager eingesetzten Deutschen wurde das Lager an einem Donnerstag geräumt. Dies muss der 12. April 1945 gewesen sein. Am 13. April war jedenfalls, so bestätigt ein anderer Augenzeige, das Lager aufgelöst.
Lange Zeit wurde behauptet, dass die Häftlinge des Lager irgendwo im hiesigen Raum bei einem Massaker umgebracht worden. Tatsächlich wurden sie aber mit der Bahn über das damalige Protektorat nach Mauthausen gebracht.
Laut der letzten Stärkemeldung waren am 4. April 1945 noch 1144 Häftlinge im Lager Flößberg. Wie viele aber tatsächlich nach Mauthausen abtransportiert wurden und auch dort lebend ankamen, ist bisher noch nicht erforscht.
Bekannt ist nur, dass unterwegs die Leichen der verstorbenen Häftlinge zum Teil an den Bahnstrecken beerdigt wurden. Einer ebenfalls unbekannten Anzahl Häftlingen gelang bei diesem Transport auch die Flucht. |
| letzte Aktualisierung: 15.04.2007 11:45 Uhr |
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