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Gedenkstätte Colditz |
Am 30. März 2007 wurde die neu gestaltete Gedenkstätte für die Opfer des KZ-Außenlagers "HASAG Colditz" eingeweiht. Presse und Fernsehen berichteten über das Ereignis. Das obige Bild zeigt die Veröffentlichung auf der Titelseite der "Leipziger Volkszeitung - Muldentaler Kreiszeitung" vom 31. März 2007. Außerdem wurde nachfolgender Artikel veröffentlicht:
Erinnern und ein Zeichen setzen
Neu gestaltete Kriegsgräberstätte in Colditz gestern feierlich eingeweiht
Colditz (ia). Mit einer feierlichen Kranzniederlegung wurde gestern die auf dem Colditzer Friedhof neu gestaltete Kriegsgräberstätte für die 1944/45 im Werk der Hugo-Schneider-AG (HASAG) ums Leben gekommenen ungarisch- und polnisch-jüdischen Zwangsarbeiter eingeweiht.
Peter Szillard und Reszö Sömjem sind nur zwei Namen, stellvertretend für 72 Zwangsarbeiter, die 1944/45 in Colditz grausam den Tod fanden. Gunther Hatzsch, Vizepräsident des Sächsischen Landtages und Vize-Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, lobte das Engagement des Colditzer Clubs Courage, namentlich seines vor kurzem verstorbenen Vorsitzenden Heinrich Böker, der in Zusammenarbeit mit Stadt und Volksbund nicht nur die Renovierung des Ehrenhains initiiert, sondern in mühevoller Kleinarbeit dafür gesorgt hat, "dass 38 der Opfer wieder Gesicht und Namen bekommen".
1944 hatte der Rüstungsbetrieb HASAG seine Panzerfaust-Produktion nach Colditz ins Südwerk der Steingut AG verlegt, die Arbeitskräfte wurden aus dem KZ Buchenwald rekrutiert. Bis zur Evakuierung des Lagers und dem Todesmarsch der überlebenden KZ-Häftlinge in Richtung Theresienstadt am 11. bzw. 14. April 1945 mussten hier 633 jüdische männliche Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Ein drei Meter hoher Elektrozaun schloss die Menschlichkeit aus. Viele überlebten nicht. "Die Überreste" so Hatzsch, "wurden anonym beigesetzt oder die Asche zurück nach Buchenwald gebracht."
1948 erfolgte die Errichtung einer einfachen Gedenkstätte für die "Opfer des Faschismus". Das Mahnmal wurde 1975 erstmals saniert und mit dem roten Winkel der Verfolgten des Naziregimes versehen. Seit 1995 erinnern zwei Gedenktafeln an die Opfer unter den Zwangsarbeitern und alliierten Kriegsgefangenen. Den überwiegend jüdischen Toten des KZ-Außenlagers wurde bisher nicht in ausreichendem Maße gedacht.
2004 begann die Umgestaltung - vom sächsischen Landesamt für Familie und Soziales mit 70 000 Euro unterstützt. Jetzt tragen schlichte kleine Schiefertafeln die Namen der Opfer, eine größere skizziert ihren Leidensweg.
"Die heutige Übergabe der Kriegsgräberstätte zeigt, dass wir uns zu unserer Vergangenheit bekennen, denn ohne deren Bewältigung werden wir keine Zukunft haben", sagte Bürgermeister Manfred Heinz. Es sei ohne Beispiel, welche große Schuld Deutschland damals auf sich geladen hat. "Und daran müssen wir uns erinnern, immer wieder, damit sich das niemals wiederholt." Deshalb begrüßte er es besonders, dass auch Sophienschüler an der Gedenkfeier teilnahmen, "vertreten sie doch jene Generation, die wir vor solch leidvollen Erfahrungen bewahren wollen". Man wolle aber mit dieser Stätte nicht nur der Zwangsarbeiter gedenbken, sondern auch Nein zu Extremismus sagen, betonte er.
Ähnlich äußerte sich auch der Staatssekretär im Sozialministerium, Albert Hauser. "Erinnern heißt sichtbar machen. Erinnern bedeutet, aus Vergangenheit Lehren für Gegenwart und Zukunft zu ziehen." Mit der Einweihung des Ehrenhains - eine von zwei Kriegsgräberstätten in Sachsen, die ausschließlich mit jüdischen Kriegstoten belegt sind - leiste man einen Beitrag zu Frieden und Versöhnung. "Und zur Wachsamkeit. Denn die Ideologie, die die Millionen Toten in zweiten Weltkrieg zur Folge hatte, ist immer noch wirksam."
Heinz-Joachim Aris, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden, belegte dies mit aktuellen Beispielen. "Wenngleich 62 Jahre seit dem Holocaust vergangen sind, ist es wichtig, an die Menschenverachtung des Nationalsozialismus zu erinnern und ein Zeichen für die Gegenwart zu setzen. Denn eine Renaissance von Rechtsradikalismus und Antisemitismus ist nicht zu übersehen."Umso wichtiger sei deshalb der "Dialog der Kulturen und Religionen - im Freistaat Sachsen, in Deutschland und darüber hinaus", mahnte Hauser.Ganz in diesem Sinne wurden Teile der Veranstaltung (Psalmen 116 und 130, Totengebet, Kaddisch) durch Landesrabbiner Salomon Almekias-Siegl in hebräischer Sprache vorgetragen,
die Pfarrerin der Evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Colditz-Lastau, Angela Lau, sprach ihrerseits ein Gebet, der Bläserkreis Colditz gestaltete den musikalischen Rahmen.
Auch die Bild-Zeitung würdigte das Ereignis mit einem kleinen Artikel. |
| letzte Aktualisierung: 24.04.2007 22:14 Uhr |
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