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1934

02.01.1934 - Das "Colditzer Tageblatt" meldet, dass es im "Gemeininteresse" liegt, Die Zahl der Gaststätten "planmäßig" zu vermindern.
09.01.1934 - Die Schutzhaftzentrale des Landeskriminalamtes Sachsen teilt in einem Rundschreiben mit, dass das Konzentrationslager Colditz am Ende der Woche aufgelöst werden soll. Tatsächlich werden am 12.01.1934 253 Häftlinge von Colditz nach Sachsenburg verlegt. Damit verbleiben 109 Schutzhäftlinge in Colditz.
18.01.1934 - Reichsstatthalter Mutschmann hat den Reichsführer SS, Heinrich Himmler zum Chef der sächsischen Polizei ernannt.
22.01.1934 - 80 der in colditz verbliebenen Schutzhäftlinge beginnen mit den Arbeiten zum Neubau der NSDAP-Kreisleitung am Albertplatz.
24.01.1934 - Wie dem "Tageblatt" zu entnehmen ist, werden nun auch "asoziale Betriebsleiter" in Schutzhaft gebracht. Berichtet wird über die Festnahme des Leiters ewines pommerschen Gutes, über den es mehrere Beschwerden durch Landarbeiter gab.
27.01.1934 - In Colditz wird ein wandernder Handwerksbursche verhaftet, da er bettelte und sich abfällig über das Winterhilfswerk der NSDAP äußerte. Am 20.02.1934 wird der Landstreicher in einem Schnellverfahren vom Colditzer Amtsgericht zu 4 Wochen Haft verurteilt, die durch die Untersuchungshaft abgegolten sind. Der Landstreicher kommt aber nicht in Freiheit, sondern wird für unbestimmte Zeit in ein "Arbeitshaus" überwiesen.
27.01.1934 - Es wird darauf hingewiesen, dass Standesämter erst seit dem 1. Januar 1876 bestehen. Wer also den Nachweis seiner "arischen Abstammung" führen möchte, muss sich für die Zeit davor an die zuständige Kirche wenden.
09.02.1934 - Der Abbau der Stärke des KZ hat für die Colditzer Geschäftswelt negaitve Folgen. Insbesondere Bäcker, Fleischer, Kaufleute und Gaststätten müssen starke Umsatzeinbußen hinnehmen. Daher wird der Wunsch geäüßert, "dass das Schloss Colditz recht bald wieder eine stärkere Belegung erfahren möge."
10.02.1934 - In einem Zeitungsartikel unter dem Titel "Erzkommunist als Skilehrer" werden die Zustände im "Konzentrations-Städtchen" Dachau schöngefärbt. Der Artikel ist so geschrieben, als ob die etwa 2400 Insassen dort Urlaub machen würden.
13.02.1934 - Die beiden Kriegervereine in Colditz werden vereinigt. Beim ersten Stiftungsfest im November 1935 beklagt der Vereinsvorsitzende mangelnde Kameradschaft ehemaliger Mitglieder, die sich mit diesem Schritt nicht abfinden konnten.
14.02.1934 - In "Tageblatt" erscheint ein Artikel, dem zu entnehmen ist, dass der Fahnengruß "Ehrenpflicht" sei. Dabei heißt es u. a.: "Es entspricht dem Wesen wahrer Volksgemeinschaft im nationalsozialistischen Staat und dem freudigen Bekenntnis zu ihr, dass auch die übrige Bevölkerung ihr Verhalten diesen Bestimmungen anpasst. Jeder deutsche Volksgenosse wird es daher, ohne dass es hier besonderer Vorschrift bedarf als seine selbstverständliche Ehrenpflicht betrachten, den Fahnen der nationalen Erhebung [...] seine Achtung durch Erheben des rechten Armes zu erweisen..."
17.02.1934 - Die "Colditzer Tageblatt Illustrierte" zeigt u. a. zwei Fotos zum Thema "Jugend und Luftschutz". Bildunterschriften: 1) Schüler besprechen ihre Entwürfe für eine große Gemeinschaftsarbeit „Deutschland ist wehrlos“. 2) Die Klasse hat in gemeinsamer Arbeit die Tafel und die Flugzeuge selbst angefertigt. Nun wird an ihnen unterrichtet. Außerdem berichtet das Blatt, dass der Kreisleiter von Mittweida "...einen Erlass gegen "Höflichkeitsbesuche" herausgegeben hat, weil diese "Standesunterschiede betonen würden".
28.02.1934 - Oberkirchenrat Weidauer aus Grimma wird vom Landesbischof vroläufig seines Amtes enthoben, weil er am 14. Januar von der Kanzel aus eine Erklärung des Pfarrernotbundes gegen eine Notverordnung verlesen hatte. Am 08.03.1934 wird Weidauer, da er über 65 ist, in den dauernden Ruhestand versetzt.
10.03.1934 - In der "Colditzer Tageblatt Illustrierten" erscheint ein Beitrag zum Inkrafttreten des neuen Tierschutzgesetzes. Der Kommentar zu einem Bild: "Das schwere Los. Eines der geplagtesten Geschöpfe der Welt ist das Pferd. Es ist kaum zu glauben, was diese treuesten Arbeitsgenossen des Menschen zu leiden haben. Ob sie müde, alt, krank oder schwach sind, sie müssen an die Arbeit, die oftmals das Maß ihrer Kräfte bei weitem übersteigt. Das Bild des peitschenden, schimpfenden Fuhrmanns ist demütigend für das ganze Menschengeschlecht."
Außerdem wird mitgeteilt, dass ab sofort die Behörden statt besonderer Höflichkeitsformeln die Worte "Heil Hitler!" anzuwenden haben.
12.03.1934 - Der Stabsleiter des Stellvertreters des Führers verkündet, dass im nächsten Jahr die jüdischen Warenhäuser vollständig verschwinden werden. Wieviel Wunschdenken bei dieser Auffassung dabei ist, zeigt der Umstand, dass festgestellt werden muss, dass die Schließung dieser Warenhäuser eine "verhältnismäßig schwere Belastung" im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit darstellt.
15.03.1934 - Mitteilung des "Tageblattes": "Wegen Hochverrat verurteilt. Vom 2. Strafsenat des Oberlandesgerichtes in Dresden wurden folgende Personen verurteilt: Installateur Pfaller 4 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrenrechtsverlust; Telegrafenarbeiter Großmann (früher kommunistischer Stadtv.) 2 Jahre 4 Monate Zuchthaus, 3 Jahre Ehrenrechtsverlust; Verwaltungsarbeiter (Staatsstraße) Hunger 2 Jahre 3 Monate 10 Tage Zuchthaus, 3 Jahre Ehrenrechtsverlust; Fabrikarbeiter Trocha 1 Jahr 5 Monate Zuchthaus, 3 Jahre Ehrenrechtsverlust; Fabrikarbeiter Böttcher 1 Jahr Zuchthaus, 2 Jahre Ehrenrechtsverlust; Schlosser Georg Kießling 10 Monate Gefängnis; Friseur Ritter (früher kommunistischer Stadtv.) 8 Monate Gefängnis. Das Urteil ist rechtskräftig. Die Anklage hat auf Hochverrat gelautet."
16.03.1934 - Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen betrug im Februar 1934 in Colditz nur 63. Ein Jahr zuvor waren es noch 231 Personen.
17.03.1934 - Kreileiter Naumann ernennt Kreispropagandaleiter Strehle zu seinem Stellvertreter. Strehle - ein "Alter Kämpfer" - behält seinen Posten als Propagandaleiter.
19.03.1934 - Pfarrer Jauck führt die erste Konfirmation im Braunhemd in der Schlosskirche durch.
24.03.1934 - Der Neubau der Straßenbrücke über die Mulde wird als "Adolf-Hitler-Brücke" eingeweiht.
27.03.1934 - Rudolf Gey, seit 1921 bei der Stadt Colditz tätig und "Alter Kämpfer" der NSDAP ist zum Bürgermeister der Stadt Trebsen gewählt worden.
31.03.1934 - Mitteilung zum Osterfest: "Es darf getanzt werden." Gestattet ist deutscher Tanz (Walzer, Polka und Rheinländer).
03.04.1934 - Während der Osterfeiertage wurden zwei Colditzer als tschechische Spione verhaftet.
06.04.1934 - Gemäß neuer Vorschriften werden Auflagenzahlen für in Deutschland erscheinenden Zeitungen veröffentlicht. Festgestellt wird: "Soweit sich aus den jetzt vorliegenden Feststellungen des ersten Vierteljahres ersehen lässt, hat im allgemeinen eine Abnahme des Leserzahl stattgefunden, die auch durch den Zuwachs der nationalsozialistischen Zeitungen nicht ausgeglichen wird."
09.04.1934 - Unter dem Titel "Hitlerjugend spricht" erscheint erstmalig eine Beilage des HJ-Bannes 179 im "Colditzer Tageblatt".
18.04.1934 - Wegen Tragens der Rotfront-Uniform wurde ein Colditzer Arbeiter vom Amtsgericht zu sechs Wochen Haft verurteilt.
20.04.1934 - Den "Führergeburtstag" feiert die NSDAP-Kreisorganisation mit 179 Feuern. Erwartet wird, dass sich "die gesamte Einwohnerschaft des Bezirks ... an den lodernden Holzstössen im Bekenntnis zum Führer versammeln" wird.
25.04.1934 - Von der Reichleitung wird darauf hingewiesen, dass "private Verbände und dergleichen" nicht befugt sind, Mitgliedschaften in der NSDAP, SA, SS usw. festzustellen.
27.04.1934 - Auf Grund eingetretender Missstände wurde festgelegt, dass in den Schulen keine Dienstbekleidung der NS-Jugendverbände getragen werden darf. Erlaubt ist nur das Braunhemd ohne Rangabzeichen.
28.04.1934 - In einer Ortsgruppenversammlung der NSDAP in Schönbach begründete ein Mitarbeiter der Landesanstalt in Zschadraß die "notwenigkeit und Richtigkeit des Sterilisationsgesetzes".
03.05.1934 - Die Strafen für Hoch- und Landesverrat wurden verschärft. Außerdem wurde der Volksgerichtshof geschaffen.
09.05.1934 - In Colditz wurde eine Ortsgruppe des NS-Fliegerkorps gegründet.
Unter dem Titel "Scharfe Bekämpfung des Angebertums" wird auf eine Strafverschärfung des § 164 Strafgesetzbuch hingewiesen, da oft persönliche Streitigkeiten mit politischen Verdächtigungen verbunden werden - ein Problem, welches sich die Nationalsozialisten selbst geschaffen haben und welches sie ständig begleitet.
15.05.1934 - Auch die Colditzer SS wirbt um neue Mitglieder - Voraussetzungen: Alter: 18 - 23 Jahre, 175 cm Mindestgröße; Hitlerjungs dürfen schon mit 17.
26.05.1934 - Im "Kampf gegen Erbkrankheiten" wurde beim sächsischen Ministerium des Innern ein Erbgesundheitsamt eingerichtet, welches die "Erbstämme der gesamten Bevölkerung" karteimäßig erfassen soll. Dieses soll mit einer Ehebreatungsstelle verbunden werden. Außerdem ist für die Krankenpflegeschulen Unterricht in allen Bereichen der Rassen- und Vererbungslehre angewiesen worden.
Landesbauernführer Körner fordert in einem Artikel "Gegen Miesmacher auf dem Lande"
"... Opfersinn und Gemeinschaftsgeist, Disziplin und Treue gegenüber dem Führer..."
28.05.1934 - In Breslau wurde eine "arisch-jüdische Mischehe" geschieden. Im Urteil dazu heißt es, dass "nach der heute herrschenden Ansicht die Rassenzugehörigkeit eines Menschen eine persönliche Eigenschaft von wesentlicher Bedeutung sei. Der Charakter, die Wesensart und die Lebensanschauung der Persönlichkeit beruhen in erheblichem Grade auf Blut und Rasse. Diese Eigentümlichkeit vererbt sich auf die Nachkommen. Die Blutmischung zwischen arischen und nichtarischen Rassenangehörigen führt zu einer Nachkommenschaft, die als Mischrasse als minderwertig anzusehen ist."
31.05.1934 - SA-Standartenführer Owe aus Colditz wurde zum Führer der Standarte 139 Döbeln ernannt. Owe war 1932 als Molkereibesitzer Pleite gegangen.
Auch Pfarrer Jauck muss Colditz verlassen. Er wurde nach Arnsdorf versetzt.
01.06.1934 - Das Konzentrationslager im Schloss ist offiziell aufgelöst, das noch bestehende Arbeitskommando wird dem KZ Sachsenburg unterstellt.
02.06.1934 - Aus der Rubrik "Heimat und Sachsen" des "Colditzer Tageblatt":
Schönbach. Gegen die Staatsfeinde. Am 30. Mai wurde hier der Feldzug gegen die Miesmacher und Kritikaster eröffnet durch eine Propagandamarsch der SA., Amtswalter, Parteigenossen und Volksgenossen. Der Spielmannszug des Turnvereins lieferte dazu eine schneidige Marschmusik. An den Aufmarsch schloss sich eine öffentliche Versammlung im „Roten Hirsch“. Pg. Reichsredner Peter kennzeichnete die Kritikaster als Staatsfeinde und stellte ihnen die Vorbilder opferwilliger Treue gegenüber: den Führer und die SA.-Männer und Amtswalter der Kampfzeit. Mit dem Gesang der Horst-Wessel-Liedes schloss die wirkungsvolle Kundgebung.
05.06.1934 - Es wird gemeldet, dass am 1. Januar 1934 von 1747 Rechtsanwälten in Sachsen 76 Juden waren. Von den 638 Notaren waren noch 23 Juden. Das bedeutet, dass zwischen April und Ende 1933 44 jüdische Rechtsanwälte und 33 jüdische Notare ihre Tätigkeit aufgegeben mussten.
Am gleichen Tag wird aus Preußen gemeldet, dass den Beamten die Einsicht in ihre Personalakten verboten worden ist. Begründung: "Es widerspricht jedoch dem im nationalsozialistischen Staat durchgeführten Führergrundsatz, wenn dem Beamten durch die Akteneinsicht Gelegenheit gegeben wird, die Urteile seiner Vorgesetzten über ihn zu kontrollieren und zu beanstanden."
06.06.1934 - Entgegen allen anderswollenden Bestrebungen werden keine Änderungen bei Stadt- und Gemeindewappen zugelassen.
Juni 1934 - Im großen Stil wird gegen "Meckerer", "Mißmacher" und "Kritikaster" zu Felde gezogen. Fortwährend wird über Kundgebungen gegen diese Art "Staatsfeinde" berichtet. Schließlich wird Kreisleiter Naumann zitiert: "… Die „Partei der Kritiker“ nehmen wir gar nicht ernst. Uns ständen genügend Machtmittel zur Verfügung, sie unschädlich zu machen.
Ich will nicht etwa sagen, wir wollen sie in irgendeinen Schwanenteich werfen. Nein, ich empfehle die Umschulungslager, von denen wir eins in Colditz hatten, das sich gut bewährte."
06.07.1934 - Schlagzeile des Tages: "Reaktionär ist, wer nicht mitmacht". Der "Röhm-Putsch" wird zum Anlass genommen, um die Volksgenossen auf Linientreue einzuschwören.
19.07.1934 - Der Rat der Stadt Leipzig hat einen Sachverständigen für Bevölkerungspolitik und Rassepflege eingestellt. Es ist der Sohn eines ehemaligen Anstaltspfarrers in Colditz.
25.07.1934 - Die SS ist nunmehr eine selbständige Organisation.
Im Zusammenhang mit dem "Röhm-Putsch" gab es wiederum viele Beschwerden bei der Gauleitung der NSDAP in Sachsen. Die Reaktion: "Gegen Beschwerdeführer, deren Angaben sich als haltlos erweisen, muss mit aller Schärfe eingeschritten werden. In Zukunft wird gegen Denunzianten und Gerüchtemacher Schutzhaftantrag gestellt werden."
Nach der Sommerpause nimmt das Sondergericht für Sachsen in Freiberg wieder seine Tätigkeit auf. Im Mittelpunkt der Strafverfolgung stehen diesmal sogenannte "Devisenstraftaten". In einem Fall verurteilte das Gericht einen Mann, als er bei der Wiedereinfuhr von Devisen nach Deutschland erwischt wurde.
26.07.1934 - Aus Wurzen wird eine Verhaftungswelle gemeldet, zu der es heißt, die Betreffenden hätten "unwahre Gerüchte über" über den Bürgermeister verbreitet.
Juli 1934 - Immer wieder sind Fragen zu klären, die sich aus der Rassenpolitik ergeben. Im Juli 1934 sind es die Fragen, ob Juden mit dem "Deutschen Gruß" zu grüßen sind und wann ein uneheliches Kind "arisch" bzw. "nichtarisch" ist.
28.07.1934 - Der Begriff "Alter Kämpfer" wird immer weiter ausgedehnt. Nunmehr fallen alle Mitglieder der SA, SS und des Stahlhelms darunter, die vor dem 30. Januar 1933 schon dabei waren, alle NSDAP-Mitgliedsnummer bis zur Nr. 300 000 und alle Amtswalter (Funktionäre) darunter, wenn sie am 1. Oktober 1934 ein Jahr im Amt waren.
Bedeutsam ist der Begriff, da daran soziale und wirtschaftliche Vorteile gebunden sind.
31.07.1934 - Anstößige und "undeutsche" Namen können geändert werden, insbesondere jüdisch klingende Namen. "Anträgen von Nichtariern, ihren Namen zu ändern soll grundsätzlich nicht stattgegeben werden, damit nicht die nichtarische Abstammung verschleiert wird."
01.08.1934 - Es wird darauf hingewiesen, dass die NSDAP-Dienststellen grundsätzlich nicht für die Anfechtung gerichtlicher Entscheidungen zuständig sind.
02.08.1934 - Nach dem Tod Hindenburgs vereinigt Hitler das Amt des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers auf seine Person.
04.08.1934 - Eine 30köpfige Abteilung des Reichsarbeitsdienstes wird im Schloss einquartiert. Sie wird mit beim Aufbau der Kreisleitung eingesetzt.
09.08.1934- Hebammen werden verpflichtet, ihnen bei der Berufsausübung bekannte Fälle von "Erbkrankheiten" zu melden.
15.08.1934 - Bis auf drei Häftlinge verlassen alle noch in Colditz befindlichen Schutzhäftlinge den Ort. Die meisten kommen nach Sachsenburg. Das verbleibende Nachkommando besteht noch bis zum 9. November 1934.
18.08.1934 - Das "Tageblatt" meldet, dass der am Vorabend angewiesene Gemeinschaftempfang einer Führerrede auf dem Sophienplatz durch die Benutzung elektrischer Geräte gestört wurde. In einem Fall wurde sogar festgestellt, dass ein ausländischer Rundfunksender gehört wurde. Das Blatt schließt mit der Empfehlung: "Für ihn wäre das beste, er verzöge sich schleunigst dorthin, wo er mit Emigranten und ihrem Gesindel in trauter Gemeinschaft leben könnte. Für ihn ist kein Platz in Deutschland!"
19.08.1934 - Bei der Volksabstimmung stimmen 84,5 % der Colditzer und 91,2 % der Dorfbewohner im Colditzer Amtsgerichtsbezirk für die Vereinigung der Posten von reichskanzler und Reichspräsident.
23.08.1934 - Im Schloss wird eine "Gauvorschule" eröffnet, in der in Kurzlehrgängen etwa 40 geeignete Partei- und Volksgenossen politisch geschult werden.
28.08.1934 - Die städtischen Beamten werden auf Adolf Hitler vereidigt.
31.08.1934 - Die Uhr an der neuen NSDAP-Kreisleitung geht nicht, da sie auf dem Bahntransport beschädigt wurde.
01.09.1934 - In einer Pressemitteilung wird darauf hingewiesen, dass die "germanischen Länder" Europas den geringsten Bevölkerungszuwachs aufweisen.
Das am 1. Osterfeiertag und 1. Weihnachtsfeiertag sowie am Palmsonntag in Sachsen bestehende Tanzverbot wird endgültig aufgehoben, da es eine schwere Schädigung des Gastwirts- und Saalgewerbes darstellt.
03.09.1934 - Ein weiterer "Alter Kämpfer" verlässt Colditz. Hans Hunger, einer der Ortsgruppengründer, übernimmt die Dienststelle der Deutschen Arbeitsfront in Wurzen.
17.09.1934 - In der Volksschule findet der "Tag des deutschen Volkstums" statt. ER wird vom BDA (Volksbund für Deutschtum im Ausland) veranstaltet und ist auf eine Revision der deutschen Grenzen gerichtet. Dieser Tag wird in den Folgejahren in den Schulen fest etabliert.
18.09.1934 - In Zukunft werden auf Weisung des sächsischen Innenministers Personen, die betrunken in der Öffentlichkeit angetroffen werden, mit Namen und Adresse in der Tagespresse bekannt gegeben werden.
21.09.1934 - Unter dem Titel "Austausch der Arbeitsplätze" wird angekündigt, dass junge Arbeitnehmer bis 25 Jahre ihre Arbeitsplätze räumen sollen, um älteren, insbesondere kinderreichen Platz zu machen. Allerdings sind so viele Ausnahmen vorgesehen, dass der angestrebte Zweck als soziale Maßnahme kaum erreichbar erscheint.
22.09.1934 - Unter dem Titel "Kampf gegen die Materialvergeudung" wird zu einer 100-Tage-Aktion zur Einsparung ausländischer Rohstoffe aufgerufen. Als Grund dafür wird "die Drosselung der deutschen Einfuhr seitens des Auslandes (Boykott)" angeführt.
26.09.1934 - In weiten Teilen der Kreishauptmannschaft Leipzig findet eine großangelegte Verdunkelungsübung statt. von drei Stellen aus wird auch in colditz überprüft, ob sich die Bewohner an die Anweisungen halten.
29.09.1934 - Um die Zahlungsmoral der Bevölkerung zu steigern sollen ab 1936 Listen säumiger Steuerzahler veröffentlicht werden.
04.10.1934 - Zum ersten Mal werden im "Colditzer Tageblatt" Name, geburtsdatum und Anschrift eines Betrunkenen veröffentlicht, der in Hartha aufgegriffen wurde.
24.10.1934 - Die wirtschaftliche Belastungen des Reiches durch Erbkranke beträgt nach Aussage von Reichsärzteleiter Dr. Wagner jährlich 1,2 Milliarden RM. Damit wird die Notwendigkeit des Gesetzes über den erbkranken Nachwuchs unterstrichen.
Auch in der Gauvorschule Colditz gehören Fragen der "Erbgesundheit" zum Schulungsprogramm, unterstützt durch Besuche in der Landesheil- und Pflegeanstalt Zschadraß.
03.11.1934 - Das Reichspropagandaministerium dementiert eine ausländische Meldung, wonach auf den neuen deutschen Spielkarten die Könige durch führende Personen des Dritten Reiches ersetzt werden.
03./04.11.1934 - Der Neubau der Kreisleitung der NSDAP am Albertplatz wird geweiht. Colditz verbindet damit die Hoffnung eines wirtschaftlichen Aufschwungs.
05.11.1934 - Auf einer Kundgebung in Hannover verkündete Reichsminister Rust die Ideale der nationalsozialistischen Mädchenbildung: Heim, Herd, Kinderkriegen.
12.11.1934 - Gerüchtebekämpfung: Es gibt keinen Mangel an Textilrohstoffen, sondern nur eine gesteigerte Nachfrage in Folge des wirtschaftlichen AUfschwungs.
15.11.1934 - Ab Ostern 1935 wird Sütterlin als Schulschrift eingeführt.
Werbung des Tages: "Beweist Eure sozialistische Haltung: Esst Eintopf!" - Mit Beginn des Winterhilfswerkes gibt es auch wieder den Eintopfsonntag.
19.11.1934 - Unter dem Titel "Ein Hamsterer am Pranger" wird eine Art Lynchveranstaltung in Leipzig gegen eine "Volksschädling" als Ausdruck "gesunden Volksempfindens" gefeiert.
08.12.1934 - Am "Tag der nationalen Solidarität" findet reichsweit eine Sammlung für das Winterhilfswerk statt.
14.12.1934 - "Die Regierung bei der Arbeit". Es wurden 12 neue Gesetze verabschiedet, darunter ein neues „Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniform“.
letzte Aktualisierung: 6.10.2007 17:10 Uhr
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